Betonmann Heinrich

 

Das ZWAR-Netzwerk Halver

Im April 2012 wurde der Grundstein für das spätere ZWAR-Netzwerk Halver gelegt. ZWAR steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Die Mitglieder bestehen aus Senioren ab 50 Jahren. Am Donnerstagabend (13.06.2013) wurde die Gruppe von Bürgermeister Dr. Bernd Eicker, Thomas Gehring vom Fachbereich Bürgerdienste der Stadt Halver, Sandra Kutzehr vom Bürgerzentrum und Paul Stanjek von der ZWAR-Zentralstelle NRW im Kulturbahnhof in die Selbständigkeit entlassen und auf eigene Füße gestellt. Damit wurde das ZWAR Netzwerk Halver offiziell das 160. In Nordrhein-Westfalen.

Rund 40 Halveraner Senioren waren gekommen und zeigten sich interessiert. Die Basisgruppe trifft sich 14tägig in zwangsloser Runde. In dem Netzwerk gibt es verschiedene Gruppen, die unterschiedliche Tätigkeiten ausüben und damit ihre Ideen verwirklichen. So gibt es beispielsweise die Gruppe „Wir bestricken unsere Stadt“. Die wurde am Alten Markt aktiv und bestrickte Bäume und Laternenpfähle. Nicht immer erhielten sie dafür positive Reaktionen. Trotzdem wurde die Wolle von der Bevölkerung gleich säckeweise gespendet. Das führte dazu, dass das Team Mützen, Schuhe und Schlafdecken anfertigte, die für Frühchen gespendet werden sollten.

Das ZWAR-Netzwerk Halver hat insbesondere auch mit dem Betonmann Heinrich von sich Reden gemacht, den es seit dem Jahr 2013 gab. Allerdings ist Heinrich inzwischen ziemlich sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden. Genauso die Homepage des Netzwerkes, dass unter www.zwar-halver.de auch im Internet vertreten war. Die Adresse führt heute ins Nirgendwo. Das Netzwerk scheint sich in Halver aufgelöst zu haben, ist aber auf der Seite der Zentralstelle NRW noch aufgeführt.

 

Heinrich – Der Mann aus Beton

Seit April saß er vor dem Seniorenzentrum Bethanien und in der zweiten Julihälfte saß er plötzlich auf einem wackeligen Stuhl am Alten Markt – Heinrich, der Mann aus Beton. Mit um die 50 Kilo ist er gewiss nicht übergewichtig und dadurch auch Standort flexibel. Heinrich sollte nämlich im Laufe der Zeit an den verschiedensten Standorten zu finden sein. Alle stehen bzw. standen dabei mittelbar- oder unmittelbar mit der Regionale 2013 im Zusammenhang. So waren als weitere Orte für Heinrichs Stadtrundgang das Quartiersbüro, der Stadtpark, das Rathaus, das Bürgerzentrum und die Häuser der Kultur geplant.

Bärbel Meyrich und Marita Plattfaut, die beiden treibenden Kräfte, wünschten sich, dass sich die Halveraner Bürger zu Heinrichs Standorten Gedanken machten und auch eigene Ideen einbrachten. Und dann war Heinrich plötzlich verschwunden. Sein Platz am Alten Markt war leer, ohne dass das ZWAR-Netzwerk dabei seine Finger im Spiel gehabt hätte. Kidnapping! Heinrich war entführt worden. Aber ebenso plötzlich wie er am Alten Markt verschwand, tauchte er wieder auf – im Kreis an der Von-Vincke-Straße.

Kurzfristig bekannte sich dann Jürgen Blankenagel, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, zu der Tat. Zusammen mit seiner Frau hatte er Heinrich an seinen neuen Standort verfrachtet um mehr Aufmerksamkeit für Heinrich zu erzielen. Es sei, wie er meinte, eine ganz spontane Entscheidung gewesen. Und die blieb ohne Folgen. Im Gegenteil, beim ZWAR-Netzwerk war man sogar ganz angetan von der Aktion, die im Übrigen am helllichten Tag eines Samstagnachmittags geschah. Wie Blankenagel später sagte, hätten Passanten dabei sogar noch ihre Hilfe angeboten.

So wanderte Heinrich von einem zum anderen Standort und ganz Halver nahm an seinem Schicksal teil, als man ihn eines Tages schwer verletzt auffand. Vandalen hatten ihn ganz offenbar zusammengeschlagen und ihm dabei schwerste Verletzungen zugefügt, so dass er über einen Zeitraum von mehreren Tagen behandelt werden musste. Danach nahm Heinrich am Montag, dem 23. September 2013, einen Standort vor der Sparkassenfiliale in Halver-Oberbrügge ein. Am Mittwochnachmittag (25.09.2013) erreichte Dr. Hans-Joachim Rüdiger aus Oberbrügge ein Anruf von seiner Frau, die ihn zusammen mit Hanna Hösch darüber informierte, dass mit Heinrich etwas nicht stimme. Heinrich hatte wieder einmal eine Verletzung am Bein. Nach Einschätzung von Dr. Rüdiger musste dies wieder einmal mutwillig passiert sein.

 

Heinrich braucht Gesellschaft

Bereits ganz zu Anfang seiner Existenz hatte Heinrich eine Freundin, die Lene, die aber schon bald nach Köln umzog. Und so ist Heinrich auf seinen Touren durch Halver immer alleine gewesen. Viele Halveraner Bürger meinten, dass sich dies ändern müsse. Heinrich brauche eine Gefährtin, die ihm zur Seite steht. Nach längerer Zeit der Vorbereitungen war es dann soweit und beim Frauentag am 18. April 2015 wurde in der Lindenhofschule mit dem Projekt „Gefährtin für Heinrich“ begonnen. Am 6. Juli 2015 wurden dann die ersten Bilder von Heinrichs noch recht unfertiger zukünftigen Begleitung auf Facebook gepostet.

Foto links: Heinrich und Thawee Ertelt vor dem Tortenatelier. Foto: © Axel DErtelt (28.12.2015).

Obwohl Heinrich dann noch eine kurze Zeit alleine auf Tour war hörte man leider von seiner Gefährtin nichts mehr. Ende Dezember 2015 saß Heinrich dann, wie immer alleine, in der Frankfurter Straße, vor dem Tortenatelier. Da hatte dann auch Thawee Ertelt Gelegenheit mit ihm zu sprechen. Aber auch bei dieser Gelegenheit konnte Heinrich ihr noch nicht sagen ob und wann er mit einer neuen Gefährtin durch Halver ziehen würde. Das war das letzte Mal, dass wir etwas von Heinrich hörten oder sahen. Ob er nach dem Tortenatelier noch andere Standorte besucht hat, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Wir recherchieren noch daran. Doch das ist nicht so einfach und mittlerweile fragen wir uns, ob es das ZWAR-Netzwerk Halver überhaupt noch gibt. Versuche die ehemalige Website des Netzwerkes zu erreichen schlagen fehl und die Links gehen in der Unendlichkeit des World Wide Web verloren.

 

Heinrich im Ruhestand?

Und dann fanden wir doch noch einen Hinweis auf Heinrichs Schweigen. In seinem eigenen Facebook-Account wurde am 24. Juni 2018 gepostet: „…ich habe mich entschieden, mir ein ruhiges Plätzchen für mein Rentenalter zu suchen. Die Ausflüge durch die Stadt werden mir mit meinen alten kaputten Knochen zu mühsam. …“

Schade eigentlich. Heinrich war doch zu einem allseits beliebten Halveraner Maskottchen geworden, dessen Anwesenheit wir nun doch sehr vermissen. Und so geben wir die Hoffnung nicht auf, Heinrich irgendwann einmal wiederzusehen – vielleicht sogar mit einer neuen Gefährtin…

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

Allgemeiner Anzeiger (mf): „Maskottchen Heinrich erneut verletzt“; www.come-on.de, 26.09.2013
Domke, Friederike: „Streifzug eines stillen Beobachters“; www.come-on.de, 26.07.2013
Ertelt, Axel: „Was macht eigentlich Heinrich und wo ist er?“; http://mein-halver.npage.de, 19.08.2018
Facebook: „Heinrich“ (Account); www.facebook.com, 24.06.2018
Facebook: „Eine Frau für Heinrich“ (Account); www.facebook.com, 06.07.2015 · 
Hoppe, Svenja (svh): „Bürgerbusverein gesteht Heinrich-Entführung“; www.come-on.de, 09.08.2013
Knitter, Christa (CK): ZWAR-Netzwerk steht auf eigenen Füßen¸ www.come-on.de, 15.06.2013
Pfannschmidt, Yvonne: „Heinrich sucht Frau“; Hallo Halver, 07.05.2015
 

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