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Halver in Kriegszeiten

 

Der 30jährige Krieg (1618 bis 1648)

In den Jahren von 1618 bis 1648 tobte der Dreißigjährige Krieg, der auch in Halver ganz deutlich seine Spuren hinterließ. Er begann am 23. Mai 1618 mit dem „Prager Fenstersturz“ und war ein europäischer Religions- und Staatenkonflikt, der hauptsächlich auf deutschem Boden ausgetragen wurde. In Halver schikanierten insbesondere die brandenburgischen Heere, die die Grafschaft Mark besetzt hielten, die Halveraner Bevölkerung. Sie verwüsteten den Ort. Plünderungen waren an der Tagesordnung und manch ein Hof ging in Flammen auf und brannte nieder. Viele Felder blieben in dieser Zeit unbestellt. Mit dem „Westfälischen Frieden“ vom 24. Oktober 1648 endete der Dreißigjährige Krieg schließlich. In der ev. Nicolai-Kirche sind Steinkugeln aus dieser Zeit eingemauert.

 

Die Iserlohner Himmelfahrts-Revolte 1849

In den späten 1840er Jahren führten soziale Notstände, Teuerungen und die Unterdrückung freiheitlicher Forderungen in ganz Preußen zu nahezu unerträglichen Spannungen, die sich auch im Märkischen Sauerland ganz deutlich zeigten. Am 28. April 1849 wurde König Friedrich Wilhelm IV. von einer Abordnung der ersten deutschen Nationalversammlung, die in der Frankfurter Paulskirche tagte, die Kaiserkrone angeboten. Der König lehnte diese jedoch ab, was der Großteil des Volkes nicht verstand. Es kam schließlich zu Aufständen in Sachsen und Süddeutschland. Dagegen wurden preußische Truppen mobilisiert.

Damals, im Mai 1949, sollten auch Landwehreinheiten aus der Grafschaft Mark in Baden gegen aufständische Freiheitskämpfer eingesetzt werden. Die Einberufenen lehnten dies in teilweise tumultartigen Zusammenkünften jedoch strikt ab die Waffen gegen die „deutschen Brüder“ zu erheben. Am 9. Mai 1849 kam es in der Gaststätte Knobel in Lüdenscheid zu einer Versammlung an der auch Angehörige der Landwehr aus Halver, Kierspe und Altena kamen. Sie trugen schwarz-rot-goldene Fahnen, den Farben der Revolution. Die Redner der Versammlung sprachen sich auch hier wieder gegen die Mobilmachung und den Kampf „Deutsche gegen Deutsche“ aus. Es wurde erneut eine Reichsverfassung gefordert, die demokratische Rechte sichern sollte. Radikale Parolen heizten die Stimmung zusätzlich auf und es gab spontane Sympathiekundgebungen für Iserlohner, die einen offenen Aufstand forderten.

Am Himmelfahrtstag 1849 kam es dann in Iserlohn tatsächlich zu Tätlichkeiten. Iserlohner Landwehrmänner stürmten, unterstützt durch revolutionäre Kräfte aus Halver, Lüdenscheid und Kierspe das Iserlohner Zeughaus, errichteten Barrikaden und verteilten Waffen unter der Bevölkerung. Diese Revolte forderte Tote auf beiden Seiten. So starb auch Oberstleutnant Schrötter, der Kommandeur der herbeigeeilten Truppen bei den Kämpfen. Seit diesem Tag waren die Märker als „Barrikadenbauer“ verschrien und die Hohenzollern, die den Königsthron innehatten, haben ihnen nie verziehen.

 

Zweiter Weltkrieg (1939 bis 1945)

Bereits im Frühjahr 1945 kam die Kriegsfront mit großem Tempo auf das Sauerland zu. Schon Anfang April 1945 schlossen die US-Streitkräfte die deutschen Verteidigungskräfte im sogenannten Ruhrkessel ein und bereits am 11. April 1945 rückten US-Regimenter auf das Volmetal zu. Nach einem längeren Artilleriebeschuss rückte die US-Infanterie am 12. April in Halver ein. Das geschah fast gleichzeitig aus drei Richtungen – von Bergfeld, Anschlag und Oberbrügge. Da sich nur noch vereinzelte deutsche Soldaten in Halver aufhielten, stießen die US-Truppen kaum auf Widerstand und es kam nur vereinzelt zu kleineren Gefechten. Allerdings geriet kurz vor Oberbrügge eine amerikanische Fahrzeugkolonne, die aus Bollwerk vorrückte, in der Nähe der Rhadermühle in einen Hinterhalt und wurde aufgerieben. Doch dann brachen die Amerikaner Den Widerstand der deutschen Soldaten, die sich am Berghang in den Wäldern versteckt hatten, durch Granatbeschuss und Maschinengewehrfeuer. Für einen Moment zogen sich die US-Truppen zurück um dann über Sessinghausen und das Mintenbecktal erneut auf Oberbrügge vorzurücken. Oberhalb einer Steilwand am Steinbruch des Hirschberges wollten drei Oberbrügger das Spektakel beobachten. Von den US-Soldaten wurden sie jedoch für Widerstandskämpfer gehalten und getötet.

Bei dem Granatbeschuss durch die anrückenden US-Truppen wurde auch der Halveraner Wasserturm erheblich beschädigt. Das hatte zur Folge, dass ganz Halver für mehrere Tage ohne Wasser war. Viele Halveraner hissten provisorisch gefertigte weiße Flaggen um den Soldaten ihre Kapitulationsabsichten anzuzeigen. Trotzdem hielt der Granatbeschuss, der kurz nach Tagesanbruch begonnen hatte, bis gegen 18.00 Uhr am Abend an. Dabei wurde nicht nur der Wasserturm in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch das Rathaus, die Nicolai-Kirche und fast 20 Privathäuser. Teilweise fingen die Häuser auch zu brennen an.

Am Rathaus hatte besonders die Dienstwohnung des Amtsbürgermeisters im Nordteil des Gebäudes stark gelitten. Der Erker, ein Teil der Wände und das Dach waren weggerissen worden. Ein Teil der Einrichtung war ebenso stark beschädigt wie viele Akten mit historisch wertvollem Archivmaterial. Schon im Februar 1945 schlug eine Bombe in der Thomasstraße ein, die erheblichen Schaden am Rathaus anrichtete. Ganze Wandteile stürzten ein. Die Verwaltungsangestellte Leni Bürger erlitt erhebliche Verletzungen. Splitter dieses Bombenfalls töteten zudem den Arbeiter Adolf Maximowitz, der gerade im Rathauspark mit einer Kreissäge Holz zerkleinerte. Etliche Passanten, die die Bombe fallen sahen, konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Zu weiteren Häusern, die während des Granatbeschusses der amerikanischen Truppen am 12. April 1945 in Mitleidenschaft gezogen wurden war auch das ev. Pfarrhaus in der Von-Vincke-Straße, an der Ecke zur Mittelstraße. Es wurde durch einen Granattreffer fast vollkommen zerstört und im anschließenden Brand wurden eine Reihe unersetzlicher Kirchenakten vernichtet. Ebenfalls starben bei diesem Granatbeschuss zwei deutsche Soldaten. Weitere Granattreffer zerstörten auch die Bauernhöfe Wiebusch und Bremicker in Neuen Herweg sowie weitere Häuser in Anschlag, Hohenplanken, Walde und Giersiepen. In Schwenke wurde die Kunstharzpresserei der Firma Volkenrath stark beschädigt und brannte infolge dessen aus.

Am späten Abend des 12. April 1945 kam es noch einmal zu einem größeren Artilleriebeschuss der deutschen Wehrmacht aus Richtung Radevormwald. Dabei wurden sieben Zivilisten am Oesterberg und Mühlenberg getötet. Insgesamt fielen 26 Angehörige der Wehrmacht bei den Kämpfen in und um Halver. Sie wurden zunächst auf dem ev. Friedhof beerdigt und 1949 auf einen Soldatenfriedhof in Valbert umgebettet.

Der Halveraner Aussichtsturm wurde zu Kriegszeiten vor allem zu Beobachtungszwecken benutzt. Das war in beiden Weltkriegen der Fall. In diesem Zusammenhang ist auch die Rede von einem „Nachrichtentrupp der SA in Halver, der den Turm zu dienstlichen Zwecken zu jeder Zeit benutzen durfte.“ Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entstand im Jahre 1939 ein Beobachtungsstand im Turm, der zur Luftraumüberwachung diente. Von hier wurden die Flugbewegungen feindlicher Flugzeuge festgestellt und weitergemeldet. Für den Beobachtungsstand eigenen Wachtposten war aus Brettern eine eigene Wachstube unter der oberen Plattform angefertigt worden. Ein historisch dokumentierter Befehl vom 26, Februar 1941 besagte, dass „nach Abgang des Schnees und Eintritt trockener Witterung der Posten bezogen werden musste”. Die Wachstube verfügte über einen mit Holz und Briketts zu heizendem Ofen, elektrisches Licht und sogar ein Telefon. Mit letzterem wurden auch die Halveraner Bürger benachrichtigt, deren Fenster nicht korrekt verdunkelt waren. Auch ansonsten konnte man im Beobachtungsstand über Langeweile nicht klagen, da es auch über Halver einen regen feindlichen Luftverkehr gab. Kurz vor Kriegsende fiel zwischen dem Aussichtsturm und der nahen Jahnturnhalle eine Bombe auf die Frankfurter Straße, die jedoch an den Gebäuden keinerlei Schaden anrichtete. Ob sie vielleicht den Turm, oder aber die Flakstellungen, die am Turm gewesen sein sollen, zum Ziel gehabt hatte, blieb bis heute ungeklärt. Dennoch wurde der Turm im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft genommen, als am 12. April 1945 die heranrückenden amerikanischen Truppen den Turm als Zielscheibe benutzten. Zahlreiche Geschosse mit unterschiedlichem Kaliber trafen den Turm und verursachten starke Beschädigungen am Mauerwerk und sämtlichen Fenstern.

Als Spätfolgen des Zweiten Weltkrieges galt ein vermutlicher Bombenfund auf der Karlshöhe, der bereits im Jahr 2012 vom Kampfmittelräumdienst aus Arnsberg in einem jungen und noch lichten Buchenwäldchen an der Karlshöhe verortet wurde. Am 10. Dezember 2015 rückte dann endlich der Kampfmittelräumdienst im Auftrag des Regierungspräsidiums Arnsberg an um nach der vermeintlichen Fliegerbombe zu suchen. Eine Woche später stand dann endgültig fest: Hier liegt keine Fliegerbombe! Noch einmal Glück gehabt. Brisant wurde es dann doch noch. Am 31. Mai 2016 fanden Arbeiter bei Tiefbauarbeiten an der Karlshöhe eine Stielhandgranate.

 

Aus Halver ins Konzentrationslager (1943)

In den 1930er Jahren lebte in Halver die Familie Laubinger. Sie waren katholisch und Vater Paul Laubinger sowie von den Kindern der Onkel Peter arbeiteten bei der Fa. Carl Turck. Zuerst wohnten sie an der Hagener Straße, ab Februar 1939 dann in Kuhlen. Ihr Schicksal traf sie mit voller Härte des Nazi-Regimes am 9. März 1943. An jenem Tag hämmerte die Faust des Ortspolizisten Spangenberg an der Tür der Laubingers. Die Mutter, Magdalena Laubinger, hat Angst als Spangenberg ihr eröffnete, dass sie nun nach Polen kämen und sofort packen müsse. Hastig packt sie ein paar Kleidungsstücke in den Kinderwagen und obenauf liegt dann ihr jüngstes von fünf Kindern, die nicht einmal ein Jahr alte Christel.

Vom Halveraner Bahnhof ging es dann los. In Dortmund wurden sie zu Hunderten anderer Sinti geführt. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand von ihnen, dass sie die Opfer einer koordinierten Deportation von „Zigeunern“ zum Konzentrationslager in Auschwitz sind. Schließlich ging die Fahrt von Dortmund aus in Viehwaggons, wo auf 24 m2 rund 80 Personen zusammengepfercht waren, nach Auschwitz in Polen. Vater Paul Laubinger war zu diesem Zeitpunkt noch bei der deutschen Wehrmacht in Norwegen stationiert. Der bis dahin hochdekorierte Soldat Paul Laubinger wird von jetzt auf gleich wegen seiner Abstammung unehrenhaft aus der Wehrmacht entlassen und kommt wenige Wochen später ebenfalls in Auschwitz an.

Selbst die Kinder mussten schwere Arbeit verrichten, berichtete Spinetta Weimer geborene Laubinger dem Journalisten und Buchautor Matthias Clever. Spinetta war das einzige Kind der Laubingers, die Auschwitz überlebt hat. Viele starben am Hunger, denn in der Regel gab es nur eine Art Suppe, die aus Wasser und Kartoffelschalen bestand. Ab und zu vielleicht mal ein Stück Steckrübe darin. Die erste, die starb war die kleine Christel. Sie war nicht einmal ein Jahr alt, als sie am 7. April 1943 auf den Leichenberg in Auschwitz gelegt wurde. Nur kurze Zeit später starben zwei weitere Schwestern von Spinetta auf gleiche grausame Art und Weise. Irgendwann später, Spinetta hatte jegliches Zeitgefühl verloren, verstarb auch ihr jüngerer Bruder.

Paul Laubinger wurde eines Tages abgeholt und weggebracht. Er musste wieder für die Wehrmacht in den Kampfeinsatz ziehen. Bevor das Konzentrationslager Auschwitz befreit werden konnte wurde Magdalena Laubinger und ihre Tochter Spinetta auf einen Todesmarsch nach Ravensbrück geschickt. Es ergab sich dabei eine Gelegenheit zur Flucht. Doch Magdalena Laubinger starb aus Trauer um ihre vier Kinder, die sie nicht hatte schützen können, in jungen Jahren. Paul Laubinger stellte 1950 einen Antrag auf Entschädigung. Selbst 1951 wurde von deutschen Behörden noch argumentiert, dass die Laubingers Zigeuner seien und die seien „damals“ nun mal als arbeitsscheu, asozial und wegen Landstreicherei verhaftet worden. Als Entschädigung für die kleine Christel erhielten die Laubingers gerade einmal 150 Mark zugestanden. Das war der Satz für einen Monat Inhaftierung im Konzentrationslager. Das die kleine Christel dort starb spielte bei der „Entschädigung“ keine Rolle. Paul Laubinger hatte insgesamt 25 Monate in den Konzentrationslagern Auschwitz, Ravensbrück und Sachsenhausen verbracht. Dafür wurden ihm nach dem „Bundesergänzungsgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ 1.100 Mark zugestanden.

 

Quellen- und Literaturverzeichnis
 
Allgemeiner Anzeiger: „Aus Halver nach Auschwitz“; Allgemeiner Anzeiger, 01.02.2020
Clever, Matthias: „Vergessene Schicksale – NS-Opfer in Halver“; Denkerverlag
Kammenhuber, Hans-Jürgen: „Halveraner revoltieren in Iserlohn“; Allgemeiner Anzeiger, 29.05.2014
Kammenhuber, Hans-Jürgen: „Bahnstrecken waren Angriffsziele der Tiefflieger“; Allgemeiner Anzeiger, 06.09.2014
Kammenhuber, Hans-Jürgen: „US-Infanterie marschiert in Halver ein“; Allgemeiner Anzeiger, 11.04.2015

 


 

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 24.02.2020 15:24:43 Uhr.
  

 

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