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Halvers große Kinozeit
 
Kaum zu glauben aber wahr. Halver hatte einmal eine Zeit, in der es nicht nur ein Kino in der Stadt gab, sondern sogar drei. Doch das ist schon lange her. Das letzte Gebäude, in dem das bekannteste Kino der Stadt, das „Regina“, untergebracht war, ist über einen Zeitraum von vielen Jahren als Brandruine ein Schandfleck in Halver gewesen und wurde 2016 abgerissen. Kurz darauf verschwand auch das Haus „Unter den Linden“ – eine weitere, jahrelange unbewohnbare Schrottimmobilie.
 
 
Das erste Kino im Saal der Karlshöhe
 
Bis zum Jahr 1945 gab es ein einziges Kino in Halver, die „Lichtspiele Karlshöhe“. Das war im Saal der Karlshöhe, die einst von Karl Isenburg erbaut wurde. Nachdem die Amerikaner in Halver einmarschiert waren machten sie aus dem Saal ein Lazarett und aus der angrenzenden „Veranda“, dem zugehörigen Lokal, ein Offizierskasino. Bereits wenige Wochen nach Kriegsende war aus dem „Ami-Lazarett“ wieder ein Kino geworden und die Filme flimmerten wieder über die Leinwand bei Kirchhoff.
 
 
Das Kino in der Gaststätte „Unter den Linden“
 
Ziemlich zu Anfang der 1950er Jahre richtete August Vormann im Obergeschoss des Hauses in der Marktstraße, in dem unten die Gaststätte „Unter den Linden“ untergebracht war, einen Kinosaal ein. Dieser wurde später auch als „ein Provisorium“ bezeichnet. Trotzdem und gerade wegen seiner urigen Atmosphäre hatte dieses Kino viele Freunde, besonders unter den Jugendlichen. Wenn am Eintrittsgeld mal ein paar Groschen fehlten ließ August Vormann sie trotzdem rein – so wird es heute noch erzählt.
 
Mitten in der Vorführung ging August Vormann während der kalten Jahreszeit immer zum Kanonenofen und legte ein paar Holzscheite nach. Sollte die Luft im Saal einmal zu schlecht werden, weil der gezeigte Film vielleicht Überlänge hatte, dann ging er mit einer Dose Frischluftspray durch den Raum und versprühte sie.
 
Das alte Schieferhaus „Unter den Linden“, das lange als unbewohnbare Ruine und Schrottimmobilie das Ansehen Halvers verschandelte, wurde im April 2017 endgültig abgerissen.
 
 
Die „Union-Lichtspiele“ im „Haus zur Fuhr“
 
Im Dezember 1951 wurde mit dem Kino „Union-Lichtspiele“ schließlich das dritte Halveraner Kino im „Haus zur Fuhr“ im Bächterhof begründet das später auch das erfolgreichste wurde und am längsten bestand. Finanziert wurde dieses neue Kino durch einen Süßwaren-Großhändler aus Hagen. Die „Union-Lichtspiele“ hielten sich jedoch „mehr schlecht als recht“ über Wasser. Doch das sollte sich schon bald ändern.
 
 
Aus „Union-Lichtspiele“ wird das erfolgreiche Kino „Regina“
 
Schon im Folgejahr, 1952, übernahm die Bochumer Kinobesitzerin Ilse Müller den Betrieb der „Union Lichtspiele“. Sie ließ das Kino unter einem enormen finanziellen Aufwand durch den Architekten Fleschenberg aus Halver umbauen. Insgesamt beliefen sich die Kosten alleine für den Umbau auf rund 100.000 DM. Zusammen mit ihrem Mann richtete Ilse Müller hier ein modernes Kino mit 300 Sitzplätzen ein. Dies erhielt nun den Namen „Regina“, der bis zuletzt erhalten blieb.
 
Ilse Müller war eine Dame von Welt, die sich wie echte Filmstars jener Zeit kleidete. Auch gab sie manch rauschende Party, ganz im Stil der großen Hollywood-Prominenz. Das stieß in den prüden 1950er und 1960er Jahren im Provinzort Halver zum Teil auf Argwohn und Ablehnung. Viele junge Mädchen und Frauen sahen sie hingegen als Vorbild – wie die großen Filmstars in den Magazinen der damaligen Zeit – und versuchten ihr nachzueifern.
 
Noch in den Anfängen der 1950er Jahre warb das „Haus zur Fuhr“ für das Kino mit den Worten: „Im Hause befindet sich ein Lichtspieltheater von städtischer Großzügigkeit.“ Und Ilse Müller erzählte viele Jahre später, wie Werner Sinnwell berichtete, dass der Kinobesuch in den ersten Jahren einfach sagenhaft war. Besonders die Kindervorstellungen und die Filme an den Wochenenden waren häufig ausverkauft. Der Eintritt kostete damals zwischen einer und drei Mark. Kinder zahlten 50 Pfennig.
 
Noch im Jahr 1957 wurde das „Regina“ umgebaut, damit auch die Cinamascope-Filme gezeigt werden konnten. An einigen der Umbauarbeiten war damals auch die Halveraner Schreinerei Ertelt & Sohn beteiligt, wie Werner Ertelt (* 19.01.1930 – † 08.09.2014) immer erzählte. Leider ist es nicht mehr nachvollziehbar, ob dies 1957 oder schon bei den Umbauarbeiten 1952 der Fall war. Doch bereits Ende der 1950er Jahre machte sich schon die starke Konkurrenz des aufkommenden Fernsehens bemerkbar. Um 1988 schloss das „Regina“ für immer seine Pforte. Das konnte auch der montags ermäßigte Eintrittspreis von 5,00 Mark (gegenüber dem üblichen Preis von 7,50 Mark) nicht mehr verhindern.
 
 
Die große Zeit des Deutschen Films und der Halveraner Kinos
 
Zum Beginn der 1950er Jahren war das Kino ein Riesenerfolg und nahezu eine Goldgrube – nicht nur in Halver. Ilse Müller glaubt, dass dies an den deutschen Heimatfilmen lag, die damals groß in Mode kamen. Vorlage für etwa 20 % aller westdeutschen Filme war wohl Hans Deppes 1950 erschienener Film „Schwarzwaldmädel“. Es war der erste deutsche Farbfilm nach dem Krieg.
 
Für den Film „Grün ist die Heide“ hatten die „Regina Lichtspiele Halver“ die Erstaufführung im Umkreis von Halver. Da kamen die Leute mit Bussen angereist und wer eine Kinokarte ergattern wollte, der musste lange in der Schlange anstehen erinnert sich Ilse Müller. In den 1960er Jahren neigte sich schließlich die große Zeit der Kinos langsam dem Ende zu und das letzte Kino in Halver schloss Ende der 1980er Jahre.
 
Vom 15. März 2018 bis zum 20. Mai 2018 veranstaltete der Heimatverein Halver in der „Villa Wippermann“ erfolgreich eine vielbeachtete Ausstellung über die ehemaligen Halveraner Kinos. Die stand unter dem Motto „Hollywood im Sauerland“.
 
 
Wird Halver wieder ein Kino bekommen?
 
Im Mai 2019 sprach die Halveraner CDU-Vorsitzende Martina Hesse über die Idee im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus, dem derzeitigen Sitz des Halveraner DRK an der Thomasstraße, ein Kino, gepaart mit Gastronomie einzurichten. Ein neuer Standort für das DRK wäre diesem zu damaligen Zeitpunkt von der Stadt bereits vorgeschlagen worden, sagte sie gegenüber Axel Ertelt in einem Telefongespräch vom 16. Mai 2019. Auch beim „Fest der Ideen“ für die Regionale 2025 im Halveraner Kulturbahnhof kam der Vorschlag für ein Kino in Halver wieder auf den Tisch.
 
Bleibt die Frage ob sich dies tatsächlich rentieren könnte. Angesichts der TV-Sender-Vielfalt und des Internets äußerte ich mich in einem Leserbrief (Axel Ertelt am 16.05.2019 im AA) damals skeptisch dazu. Anders sieht es allerdings die Firma Econ Consult aus Köln. Die erstellte im Jahr 2001 eine „Stärken-/Schwächenanalyse und Profilierungskonzept für die Stadt Halver“. Dort sind zum Thema „Kino“ folgende Anmerkungen enthalten:
 
Von vielen Halveranern werden einige, in Halver nicht (oder nicht mehr) vorhandene Einrichtungen vermisst. Dazu zählt „in erster Linie Kino, Disco/Tanzcafé, Theater“. Eine Umfrage ergab, dass ein Kino von rund 30 % bis 35 % der Befragten unter 60 Jahren vermisst wird. Erst bei den über 60jährigen wurden es weniger. Allerdings kommt die Econ Consult auch zu dem Schluss, dass so etwas „in einer kleinen Stadt wie Halver nur unter großen Schwierigkeiten als tragfähige kommerzielle Einrichtungen zu realisieren“ ist.
 
Ersatzweise, so kam die Econ Consult zu dem Schluss, würde im Fall eines Kinos (überwiegend) die Stadt Lüdenscheid aufgesucht. Und weiter heißt es in der Analyse, dass sich für das „vielfach vermisste Kino“ aber auch Ersatzangebote schaffen ließen. Dazu heißt es dort: „Neben Filmvorführungen in den vorhandenen Räumlichkeiten erscheint die Durchführung von Open-Air-Kinoveranstaltungen im Sommer eine gute Möglichkeit zur Abrundung des Angebotsspektrums zu sein.“
 
Sollte die von der CDU-Fraktion vorgestellte Variante eines Kinos mit Gastronomie im alten Feuerwehrgerätehaus realisiert werden können, wird deren Erfolg einerseits von der Art und andererseits vom Preis abhängig sein. Auf Rückfrage schrieb mir Martina Hesse am 18. September 2019 in einer Email, dass dies „ein Projekt der Regionale 2025“ sein könnte. Das Projekt steht oder fällt allerdings mit der Bereitschaft des DRK für einen Umzug. Ein abschließendes öffentliches Ergebnis dafür und zu dem Vorschlag der Stadt für einen Alternativstandort ist noch nicht bekanntgeworden. Abschließend schreibt Martina Hesse in ihrer Email: „Sollte das DRK nicht das Feuerwehrgerätehaus verlassen wollen, muss man dies akzeptieren und im Haushalt 2020 eine Summe X für Renovierungsmaßnahmen an dem Gebäude bereitstellen.“
 
Nachdem es im Jahr 2010 bereits einzelne Filmvorführungen am Alten Markt in der Frankfurter Straße oder in der „Tanke“ in der Thomasstraße gab, wurden erste Versuche, wenigstens ansatzweise wieder so etwas wie Kinofeeling nach Halver zu bringen, im „Jugendcafé Aquarium“ (2016/17) gemacht. Dort gab es das Angebot eines Kinderkinos, wie Arndt Spielmann, Leiter des Jugendcafés sagte. Gezeigt wurden da beispielsweise Filme wie „Biene Maja“, „Pettersson und Findus“ oder „Die Schlümpfe“. Das Kinderkino fand immer in einem Monat mit einem „R“ statt, weil die Kinder in den Sommermonaten ab Mai lieber draußen spielen sollen. Ab dem 7. April 2017 fand erst einmal probeweise das „Kino am Park“ statt. Dazu hatten sich das „Jugendcafé Aquarium“ und das „Bürgerzentrum am Park“ (damals war das Bürgerzentrum noch in der Von-Vincke-Straße gegenüber dem Hohenzollernpark) zusammengetan. Nachmittags ab 15.00 Uhr sollte dann für 2,50 € ein Kinderfilm gezeigt werden und abends ab 19.30 Uhr für 5,00 € einer für Jugendliche und Erwachsene. Aus Lizenzgründen müssen die möglichst aktuellen Filme aber bereits auf DVD erschienen sein, was wiederum ein großer Nachteil ist. Um richtiges Kinogefühl aufkommen zu lassen sollte die Popkornmaschine eingesetzt und auch andere Knabbereien und Getränke angeboten werden. Wie regelmäßig und wann die geplanten Kinotage stattfinden sollten, war im Vorfeld noch ungewiss, wie Arndt Spielmann vom Jugendcafé und Claudia Wrede vom Bürgerzentrum damals mitteilten. Das Angebot würde erst einmal getestet. Danach würde sich alles entscheiden.
 
 
Quellen- und Literaturverzeichnis
 
Econ Consult: „Stärken-/Schwächenanalyse und Profilierungskonzept für die Stadt Halver“; Econ Consult, www.halver.de, Köln im Juli 2001
Ertelt, Axel: „CDU boykottiert medizinische Versorgung“; Allgemeiner Anzeiger, 16.05.2019
Hesse, Florian: CDU-Fraktionsvorsitzende rechnet mit Halvers Bürgermeister ab: ‚Wir wollen, dass er abgewählt wird.‘"; www.come-on.de, 14.05.2019
Hesse, Florian & Sinnwell, Werner: „Halvers Kinos nicht vergessen“; Allgemeiner Anzeiger, 02.02.2018
Hesse, Martina: Telefongespräch mit Axel Ertelt am 16.05.2019
Hesse, Martina: Email an Axel Ertelt am 18.09.2019
Hoppe, Svenja: „Ein Hauch von Hollywood“; Allgemeiner Anzeiger, 15.03.2018
Lorencic, Sarah: „Als Halver noch ein Kino hatte“; Allgemeiner Anzeiger, 18.01.2019
Ludwig, Carolina: „Neues Kinoangebot in Halver“; www.come-on.de, 29.03.2017
Othlinghaus, Björn: „Hollywood im Sauerland in der Villa Wippermann – Alles über die drei Halveraner Kinos“; Worteffekte Magazin, www.worteffekte.de, 26.03.2018
Salzmann, Monika: „Auftakt der Regionale 2025: Fest der Ideen in Halver“; www.come-on.de, 22.05.2019
Sinnwell, Werner: „Lichtspielhaus von städtischer Großzügigkeit“; Allgemeiner Anzeiger, 08.11.2016
Sinnwell, Werner: „Sissi gucken mit Vivil“; Allgemeiner Anzeiger, 08.11.2016
 

 
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 18.09.2019 14:24:57 Uhr.

 

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