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Das Munitionsdepot bei Schwenke

 

 

Ein Relikt des Kalten Krieges

 

Im Wald rechts der Bundesstraße 229 hinter dem Halveraner Ortsteil Schwenke, in Richtung Radevormwald, liegt auf dem Gebiet der Mark ein ehemaliges Munitionsdepot der Bundeswehr aus den 1980er Jahren. Es ist ein übrig gebliebenes Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges. Jenes Ost-West-Konfliktes zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion, der die Welt in Atem hielt und mehrmals fast eskalierte. Der Kalte Krieg „tobte“ von 1947 bis um 1989. Zwar kam es dabei nie zu einer direkten militärischen Auseinandersetzung, doch versuchten beide Lager den weltweiten Einfluss des anderen einzudämmen oder zurückzudrängen.

 

Im Jahr 1962 wäre der Kalte Krieg fast in einen Heißen Krieg ausgeartet und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Welt stand damals unmittelbar am Rand eines Atomkrieges. Diese Phase des Kalten Krieges ist als die „Kubakrise“ in die Geschichte eingegangen. Nachdem die USA in der Türkei Mittelstreckenraketen vom Typ Jupiter und Thor stationiert hatten, begann die Sowjetunion ihrerseits mit der Stationierung von Atomraketen des Typs SS-5 auf Kuba. Diese hatten eine Reichweite von 2.200 nautischen Meilen (ca. 4.000 Kilometer) und konnten innerhalb von nur wenigen Minuten fast jeden Punkt in den USA erreichen. US-Präsident John F. Kennedy verhängte daraufhin eine Seeblockade für sowjetische Schiffe die Kuba anlaufen wollten. Über geheime diplomatische Kontakte gelang es schließlich den Konflikt zu entschärfen. Die Sowjetunion verzichtete auf die Stationierung der Raketen auf Kuba, während die USA im Gegenzug ihre Raketen aus der Türkei abzogen. Um solche Konflikte künftig zu vermeiden wurde Ende August 1963 das „rote Telefon“ als „heißer Draht“ zwischen den Staatschefs der beiden Großmächte eingerichtet.

 

Ein Lost Place in der Mark bei Schwenke

 

Heute ist das ehemalige Munitionsdepot der Bundeswehr bei Schwenke ein nahezu vergessener Ort, ein Lost Place. Das Depot ist auch in keiner Landkarte verzeichnet. „Es weht ein kalter Hauch von Beklemmung durch die Wälder rund um den Halveraner Ortsteil Schwenke.“ So hat Axel Meyrich in seinem Artikel „Corona-Runde: Ehemaliges Munitionsdepot in Schwenke“ (www.come-on.de am 02.04.2021) seine Stimmung beschrieben als er dort wanderte. Und genau in diesem Wald, eine Mischung aus Laubwald und Fichten mit teilweise altem Baumbestand, bei Schwenke war vom 1. August 1985 bis zum Jahresende 2000 die Standortmunitionsniederlage Wuppertal. Sie war für die in den Wuppertaler Kasernen stationierten Flugabwehreinheiten. Dieses Munitionsdepot wurde von der Bundeswehr unter der Bezeichnung Standortmunitionsniederlage 344/2 oder auch Standortmunitionsniederlage Wuppertal-Halver geführt. Insgesamt umfasste das Gelände des Munitionsdepots eine Fläche von 24,7688 Hektar. Es unterstand dem Verteidigungsbezirkskommando 34 des Wehrbereichskommandos III und war durch eine Zufahrt von der Bundesstraße 229 bei Handweiser aus erreichbar.

 

Einstmals scharf vom Militär bewacht war das Munitionsdepot in der Bevölkerung vollkommen unbeliebt. Man verspürte zu Zeiten des Kalten Krieges nicht die mindeste Lust in der Nähe einer solchen militärischen Einrichtung zu wohnen. Die Anlage war gut gesichert mit massiven Bunkertüren und dicken Betonwänden. Auch gab es Zwinger für die Hunde des Wachpersonals. Bunkereingang an Bunkereingang reihte sich auf dem Gelände. Die Eingänge waren ins erhöhte Gelände hineingebaut worden. Da liegt die Vermutung nahe, dass ein Großteil des Geländes unterbunkert ist. Das große massive Haupttor war besonders schwer gesichert. Das zweite Tor war die sogenannte Notzufahrt, die allerdings erst Anfang der 1990er-Jahre nach der Wende entstand. Heute stehen noch ein paar Gebäudereste, in denen vielleicht technisches Gerät untergebracht war. Umschlossen war das Gelände mit einem Maschendrahtzaun, der oben zusätzlich mit Stacheldraht gesichert war und zumindest teilweise heute noch vorhanden ist.

 

Demontage des Munitionsdepots

 

Die Wende im Kalten Krieg begann im Jahr 1990. Der Osten und der Westen näherten sich an und auch die Bundeswehr fing an sich umzustrukturieren. Im Rahmen der Rüstungskonversion wurde schließlich der Standort Wuppertal samt der dazugehörenden Standortmunitionsniederlage 344/2 Ende des Jahres 2000 aufgegeben.

 

Zeitzeugen berichten über die Auflösung des Munitionsdepots, dass kurz vor der Schließung schier endlose Lkw-Kolonnen aus dem Depot gekommen sind. Auf der Ladefläche Munition jeder Art. Auskunft darüber wurde und wird von offizieller Stelle nicht erteilt. Obwohl die Anlage heute bereits in großen Teilen zurückgebaut wurde, sind noch viele Artefakte aus dem Kalten Krieg vorhanden, den ein derartiges Gelände mit einer solchen Infrastruktur lässt sich nicht mal eben so einebnen. Zum 31. Dezember 2002 wurde das Gelände verkauft und als rekultiviert wieder der forstwirtschaftlichen Nutzung übergeben. Doch eine Rekultivierung sieht anders aus, wie die Relikte aus vergangenen Tagen heute noch zeigen.

 

So ging der Rückbau auch im Jahr 2011 noch fleißig weiter. Die ehemalige Zufahrtsstraße wird zuerst zu einer Schotterpiste um dann später nur noch ein Wald- und Wanderweg zu werden. Teile des verbauten Betons wurden geschreddert und als Straßenbelag oder Straßenuntergrund wiederverwertet. Die großen Bunker allerdings werden stehenbleiben und zugeschüttet. Die sind so stabil gebaut, dass ein Schreddern zu teuer würde. Und auch der Zaun soll eines Tages verschwinden.

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

 

Meyrich, Axel: „Lost Places und ein Hauch von Kaltem Krieg“; Allgemeiner Anzeiger, 20.03.2021

Meyrich, Axel: „Corona-Runde: Ehemaliges Munitionsdepot in Schwenke“www.come-on.de, 02.04.2021

Schirowski, Ulrich: „Zehn Jahre Truppenabzug und Konversion in Nordrhein-Westfalen“ („Anhang: Konversionsstandorte“), Konversionsbericht Band IV, herausgegeben vom Ministerium für Wirtschaft und Verkehr NRW, https://web.archive.org, Düsseldorf im November 2000 

Scholl, Wolfgang: „Aus Bunker wird Straßenbelag“https://rp-online.de, 29.03.2011

Wikipedia: „Kalter Krieg“https://de.wikipedia.org, 29.04.2021

Wikipedia: „Standortmunitionsniederlage Wuppertal“https://de.wikipedia.org, 05.05.2020

 



Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 13.05.2021 16:49:29 Uhr. 


 

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