Die Heesfelder Mühle

 

Die geografische Lage der Heesfelder Mühle

Der Name Heesfelder Mühle steht für eine Wassermühle, die heute als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt ist. Außerdem handelt es sich um eine Ortsbezeichnung im Bereich der Stadt Halver. Sie liegt zwischen dem kleinen Ortsteil Halver-Heesfeld an der B229 (zwischen Halver-Oeckinghausen und Lüdenscheid-Brügge) und dem Heesfelder Hammer an der L868 (von Oeckinghausen nach Schalksmühle) hinter Carthausen.

Das Gelände um die Heesfelder Mühle liegt auf einer Höhe von rund 275 Meter über NN. Die im Stadtgebiet von Halver, im Bereich der Ortsbezeichnung „Zum Hälversprung“ entspringende Hälver, fließt an der Heesfelder Mühle vorbei und treibt hier das Wasserrad an. Zwar gibt es einen durchgehenden Weg von Heesfeld aus über die Heesfelder Mühle zum Heesfelder Hammer, doch ist dieser von Heesfeld aus gesehen noch vor der Heesfelder Mühle für eine Autodurchfahrt gesperrt. Die Anfahrt kann nur über die L868 erfolgen. Von Oeckinghausen aus geht kurz hinter Carthausen über den Heesfelder Hammer der ausgeschilderte Weg zur Heesfelder Mühle rechts ab.

 

Die Heesfelder Geschichte

Der zu Halver gehörende Ortsteil Heesfeld entstand als Weiler vermutlich zwischen 693 und 750 während der sächsisch-fränkischen Grenzauseinandersetzungen. Damit würde Heesfeld zu den frühesten Siedlungen Halvers zählen. Die Besiedelung könnte von Carthausen ausgehend stattgefunden haben. Urkundlich erwähnt wurde Heesfeld erstmals 1100. Der Ort liegt auf einer Höhe von 290 Metern über NN an der Hälver und direkt an der B229.

Im Mittelalter wurde Heesfeld von Adeligen bewohnt und war ein Gräften- und Herrenhof, der durch einen Wassergraben gesichert war. Um das Jahr 1348 war Heesfeld ein Unterhof des Frauenstiftes Essen. Über den Oberhof Evenich (heute Eving bei Dortmund) war Heesfeld dem Frauenstift Essen gegenüber abgabepflichtig. Zu dieser Zeit besaßen die Grafen von der Mark als Vögte der Abtei Essen bei ihren Besuchen im Kirchspiel Halver das Recht auf Unterkunft auf dem Hof Heesfeld. Im Verlaufe des 15./16. Jahrhunderts entwickelte sich Heesfeld dann zu einem Rittergut mit einer Landfläche von rund 900 Morgen.

Im Bereich der Ortsbezeichnung Heesfelder Hammer (285 Meter über NN) fließt die Hälver mit der Bräumke zusammen, die ebenfalls im Stadtgebiet von Halver („In der Bräumcke“) entspringt. In diesem Bereich führte früher auch die Trasse Hälvertalbahn vorbei. Vermutlich schon vor dem Jahr 1696 war hier früher als Abspliss von Heesfeld ein altes Hammerwerk, das urkundlich erstmals 1733 erwähnt wurde.

Die Entstehungszeit der Heesfelder Mühle wird in der Zeit zwischen 1300 und 1400 in Folge der zweiten mittelalterlichen Rodungsperiode vermutet. Auch sie ist ein Abspliss von Heesfeld und wurde urkundlich erstmals 1465 erwähnt. Die ursprünglich als Getreidemühle errichteten Mahlgänge wurden seit 1700 als Ölpresse (Ölmühle) und ab 1850 als Knochenmühle genutzt. Im Jahre 1782 wurde von Halveraner Bauern in Eigenleistung für ihre Kinder bei der Mühle eine kleine, ca. 6 x 7 Meter große Dorfschule gebaut, die einen Klassenraum enthielt. Eine Wohnküche im ersten Obergeschoss und ein Schlafraum im Dachgeschoss dienten zusammen mit einem Ziegenstall der Versorgung und Unterkunft für den Lehrer. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden einige Teile des Schulgebäudes auch als Kleinschmiede genutzt. Eine Chronik der Schule wird in der Halveraner Lindenhofschule geführt.

 

Die Anfänge der heutigen Heesfelder Mühle

Im Jahre 1988 beschlossen BUND-Aktive aus Hagen die Gründung eines Vereins, als sie ein Projekt entwickelten, das Landwirtschaft und Naturschutz vereinen sollte. Dazu wurde eine größere Fläche gesucht, die bereits seit längerem aus der landwirtschaftlichen Nutzung war. So sollte eine naturschutzwürdige Fläche durch eine extensive Bewirtschaftung in eine wertvolle Kulturlandschaft mit der größtmöglichen Artenvielfalt geschaffen werden. Gleichzeitig sollte damit der Beweis erbracht werden, dass dies unter ökonomischen Gesichtspunkten ebenfalls lohnenswert sein kann.

Mit der Heesfelder Mühle bzw. dem, was damals noch davon vorhanden war, wurde ein geeignetes Objekt gefunden, das einen historischen Kern hatte und wieder restauriert werden konnte. Kornmühle und die alte Schule standen schon seit Jahren leer und der Kornspeicher war bereits zu einem Großteil abgerissen. Nur der Gewölbekeller davon war noch einigermaßen sichtbar erhalten geblieben. Auf dem schon viele Jahre brachliegendem Gelände wurden einzig noch Teiche von einem Dortmunder Angelverein und einem heimischen Teichpächter zur Forellenzucht genutzt.

Nach langen Planungen und aus finanziellen Gründen immer wieder neuen Änderungen in der Planung sowie Förderanträge bei der NRW Stiftung für Naturschutz und Denkmalpflege konnte das Projekt in Angriff genommen werden. Verkäuferin des gesamten Grundstücks einschließlich der Gebäude war eine Frau aus Gütersloh, von der die NRW Stiftung für Heimat- und Denkmalpflege als Hauptförderer das Grundstück kaufte. Die Gebäude wurden vom neu gegründeten Verein Heesfelder Mühle gekauft. Nun konnte mit dem Projekt begonnen werden.

 

25 Jahre Förderverein Heesfelder Mühle e.V.

Der Verein Heesfelder Mühle wurde 1989 als Trägerverein gegründet und hatte zum Ziel, die vorhandenen historischen Gebäude der Heesfelder Mühle als Eigentum zu übernehmen und dem recht verwahrlosten Gelände im Hälvertal zu neuem Glanz und zur Funktion als Kultur- und Naturraum zu verleihen. Der 1. Vorsitzende wurde Gerhard Bremicker, der noch heute als Ehrenvorsitzender die Vereinsarbeit tatkräftig unterstützt.

Konzepte wurden ausgearbeitet um die Acker- und Grünflächen in eine extensive Nutzung zurückzuführen und dabei die maximalen Möglichkeiten auszuschöpfen. Ein langfristiges Konzept wurde auch erstellt um die Waldflächen von Fichtennutzung und Birkenwildwuchs in einen standortgerechten Buchen- und Eichenbestand umzuwandeln.

Einige Ideen des Vereins wurden mal von offizieller Seite unterstützt und mal abgelehnt. Schließlich zahlte sich die vereinseigene Beharrlichkeit aus und der Verein bekam von Verbänden und Behörden Unterstützung und wurde teilweise auch gefördert. So unterstützte 1991 die Flurbereinigungsbehörde ein eigens an der Heesfelder Mühle eingeleitetes Verfahren um den Kauf und Tausch notwendiger Grundstücke voranzubringen, um den Wasserlauf wieder zur Mühle zuleiten zu können. Denn diese waren im Laufe der Jahre zuvor anderweitig verkauft und genutzt worden. (Aktuelles von der Mühle auf Facebook.)

 

Restaurierung der Gebäude

Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit steht die Wassermühle, von der auch der Vereinsname abgeleitet ist. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts wurde die Mühle Opfer eines verheerenden Brandes. Im Gegensatz zu einem Wohn- und Backhaus, das 1893 bis auf die Grundmauern abbrannte und nie wieder aufgebaut wurde, ist die Mühle damals wieder hergestellt worden. Sie war bis 1950 in Betrieb und wurde danach unter anderem über einen Zeitraum von mehreren Jahren als Pferdestall genutzt. Entsprechend sah sie beim Kauf durch den Verein auch aus. Die neuerliche Restaurierung der Mühle geschah in einer rund zweijährigen, mühevollen Arbeit in den Jahren von 1991 bis 1993. Ein Großteil der Arbeiten wurde in Eigenleistung des Vereins vollbracht. Heute ist die Mühle ein bedeutender Teil des Zentrums für Naturschutz und Kulturlandschaftspflege und dient als Begegnungsstätte. Über den alten Mühlenteich und einen Mühlengraben fließt das Wasser aus der Hälver auf das ca. 3,5 m große, oberschlächtige Wasserrad und lässt die mit rund 10 U/min. rotieren und mittels einer Welle ein historisches Mahlwerk antreiben. Alternativ kann damit auch über ein Getriebe mit 760 U/min. ein 11kW-Generator zur Erzeugung von umweltfreundlichem Strom angetrieben werden.

Der alte Kornspeicher war beim Kauf durch den Verein fast vollständig abgerissen. Nur noch ein Gewölbekeller war mehr oder weniger ansatzweise vorhanden. So entstand praktisch ein vollkommen neuer Mühlenspeicher, der heute auch für Feiern mit bis zu 100 Personen gemietet werden kann.

Die alte Dorfschule, die 1782 erbaut worden war, drohte bei der Übernahme durch den Verein endgültig zu verfallen. Nach dem Gutachten der NRW Stiftung schien sie nahezu nicht mehr sanierbar zu sein. Bauunternehmer, die wegen der Sanierung angesprochen wurden, lehnten deshalb den Auftrag dankend ab, da man befürchtete, dass der ganze Bau bereits bei der Entkernung in sich zusammenstürzen würde. Nach der erfolgreichen Sanierung der Kornmühle entschloss sich der Verein schließlich die Sanierung unter Mitwirkung des Lüdenscheider Architekten H.-J. Hansen und Klaus Brunsmeier als Bauleiter im Jahre 1995 selbst in Angriff zu nehmen. Das wurde schließlich auch erfolgreich durchgeführt.

 

Der ehemalige Bio-Laden der Heesfelder Mühle

Im Jahre 1993 wurde der Bio-Laden gegründet. Hier gab es zu den Öffnungszeiten täglich eine Auswahl an frischem Obst und Gemüse, beste Fleisch- und Wurstwaren sowie hochwertigen Bio-Wein und Käsespezialitäten. Die Waren kamen möglichst aus der Region und hatten 100 % Bio-Qualität versprach der Betreiber. Langfristige und gleichberechtigte Partnerschaften zu den Lieferanten gehörten genauso zum Konzept wie faire Preise für die Produzenten und Kunden.

Lieferpartner aus der näheren Region waren beispielsweise der Schäferhof aus Marienheide, der leckeren Schafskäse herstellt, Wurst- und Fleischwaren sowie Kartoffeln vom Bio-Bauern Wolf aus Halver, von der Vollkornbäckerei Niemand aus Hagen das Brot und die Eier vom Bio-Gut Rosenthal aus Bergneustadt. Nicht in der Region erhältliche Artikel wurden beim Bio-Großhändler Weiling GmbH dazugekauft.

 

Neues Konzept: Genussmühle – erster Unverpackt-Laden in Halver

Anfang Mai 2018 hat sie eröffnet, die Genussmühle an der Heesfelder Mühle, die den ehemaligen Bio-Laden ersetzt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keine Bio-Waren mehr gibt. Vielmehr ist ein besonderes Konzept hinzugekommen und die Genussmühle ist nun der erste Unverpackt-Laden in Halver und der umliegenden Region. Das Unverpackt bedeutet, dass die Kunden ihre eigene Verpackung wie beispielsweise Gläser mitbringen (müssen), in die die Ware dann abgefüllt wird.

Sinn des neuen Konzeptes ist der Umweltschutz, denn so wird die Verpackung eingespart, die sonst meistens aus Plastik besteht und nur einmalig benutzt wird. Ein super Schritt auf dem Weg zu mehr Umweltschutz, der bald seine Nachahmer finden sollte. Die Waren sind weiterhin Bio oder zumindest in Bio-Qualität. Die Betreiber der Genussmühle sehen sich ihre Lieferanten im Vorfeld genau an und achten insbesondere auch auf eine gute Tierhaltung. In der Frischetheke sind Wurst, Käse und Oliven. Fleisch gibt es auch, muss aber im Vorfeld bestellt werden und wird dann vom Bio-Bauern frisch geliefert. Und selbst Olivenöl kann hier in die eigenen Flaschen abgefüllt werden. Ein weiteres Highlight ist die Getreidemühle, mit der die Kunden ihr frisch gekauftes Getreide zu Mehl mahlen können.

Anschrift: Genussmühle, Heesfelder Mühle 3, 58553 Halver. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Wer weit weg wohnt oder aus anderen Gründen nicht zur Genussmühle kommen kann, der kann sich auch mit der Genussbox, die einmal in der Woche ausgeliefert wird, beliefern lassen. Bestellen können Sie telefonisch und demnächst auch online bei der Genussmühle.

 

Five o' Clock - Tea Time Cottage

In der ehemaligen Mühlen-Bio-Bäckerei Skibbe (Heesfelder Mühle 5) hat jetzt, beim Kirschblütenfest Anfang Mai 2015, ein Café mit englischen Bräuchen der Tea Time eröffnet. Betrieben wird das Tea Time Cottage von der 32jährigen Diplom-Medienökonomin Jennifer Driesen aus Altena. Sie betreibt gleichzeitig den gleichnamigen Catering-Service. Der beliefert sowohl Privat- als auch Geschäftskunden mit Tee und englischem Gebäck sowie besonderen Leckereien. Bei Five o' clock auf Facebook werden auch ständig Neuigkeiten gepostet, Reinschauen lohnt also...

 

Ambientetrauungen in der Heesfelder Mühle

Wer eine Trauung mit besonderem Rahmen sucht, dem bietet sich eine Ambientetrauung in der Heesfelder Mühle an. Der ehemalige Klassenraum der Schule dient heute als rustikales, zusätzliches Trauzimmer des Standesamtes Halver. Es bietet Platz für bis zu ca. 20 Personen und nach der Trauung hat man die Gelegenheit in den Räumlichkeiten oder auch im Außenbereich mit einem Glas Sekt in ländlicher Atmosphäre anzustoßen.

Wer sich für eine Trauung in der Heesfelder Mühle interessiert und das Trauzimmer besichtigen möchte, der kann sich mit dem Standesamt Halver (Frau Christiane Sayk, Tel.: 02353-73134) oder mit Frau Annette Hamel (Tel.: 02353-2398) in Verbindung setzen. Die Trauungen sind nur in den Monaten Mai bis Oktober zu festgelegten Terminen möglich. Deswegen sollte man sich rechtzeitig mit dem Standesamt Halver wegen einer Terminreservierung in Verbindung setzen. Für eine Ambientetrauung in der Heesfelder Mühle fällt eine zusätzliche Gebühr in Höhe von derzeit 141,00 € zu den üblichen Standesamtgebühren an.

Termine im Jahr 2014 sind (jeweils samstags) am 24.05.2014, 14.06.2014, 26.07.2014, 23.08.2014, 20.09.2014 und am 18.10.2014. Bis zu fünf Trauungen können an einem Tag getätigt werden. Das sind maximal 30 pro Jahr. Im Jahr 2013 fanden hier 15 Trauungen statt.

 

Neues Highlight: Eine Naturbühne

m Juli 2018 wurde neben der Genussmühle, an der Linde, eine Naturbühne aus Holz gebaut. Diese Konstruktion, die dauerhaft bleiben soll, wurde erstmals am 4. und 5. August 2018 beim Festival Music Fever genutzt. Die Größe der Bühne beträgt 5 x 6 Meter, was insgesamt 30 m² (einschließlich der Linde) beträgt. Um Gefahrensituationen zu vermeiden wurde die Linde überprüft und tief herabhängende Äste sowie besonders trockene Astbereiche entfernt.

Bands aus der Umgebung, die bei einem Event auf der Bühne auftreten möchten, können sich bei der Sound Bäckerei melden und dort alles besprechen.

 

Literatur- und Quellenverzeichnis

Domke, Friederike: „15 Paare sagen ‚Ja’ in der Heesfelder Mühle“; Allgemeiner Anzeiger, 07.01.2014
Domke, Friederike: „25 Jahre Verein Heesfelder Mühle“; Allgemeiner Anzeiger, 19.04.2014
Heesfelder Mühle e.V.: „Willkommen an der Heesfelder Mühle, dem Zentrum für Naturschutz und Kulturlandschaftspflege“; Homepage der Mühle und des Vereins, www.heesfelder-muehle.de (19.04.2014)
Jung, Alfred: „Halver und Schalksmühle. Untersuchung und Gedanken zur Siedlungsgeschichte des Amtes Halver, eines alten Kirchspiels im sächsisch-fränkischen Grenzraum“; Altenaer Beiträge: Arbeiten zur Geschichte und Heimatkunde der ehemaligen Grafschaft Mark 13, Freunde der Burg Altena, Verlag Der Märker, Altena 1978
kre: Tea Time in der Mühle'“; Allgemeiner Anzeiger, 13.04.2015
Lorencic, Sarah: „Der erste Unverpackt-Laden der Region“; Allgemeiner Anzeiger, 30.07.2018
Opfermann, Johannes: „Naturbühne an der Heesfelder Mühle“; Allgemeiner Anzeiger, 21.07.2018
Stadt Halver: „Ambientetrauungen – Heesfelder Mühle“; www.halver.de [14.08.2018]
Wikipedia: „Heesfeld“; de.wikipedia.org, 25.04.2012
Wikipedia: „Heesfelder Hammer“; de.wikipedia.org, 25.04.2012
Wikipedia: „Heesfelder Mühle“; de.wikipedia.org, 26.04.2012
  

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 14.08.2018 13:37:48 Uhr.