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Ein MVZ für Halver?

 

Einige Ärzte in Halver haben das Rentenalter schon erreicht oder stehen kurz davor. Die medizinische Versorgung scheint allein aus diesem Grund gefährdet, zumal nur wenige Nachwuchsärzte bereit sind in die ländlichen Dörfer oder Kleinstädte zu gehen. Die ärztlichen Dachverbände gehen derzeit davon aus, dass bis zum Jahr 2030 deutschlandweit ca. 6.000 Ärzte fehlen werden. Der Rückgang der ärztlichen Versorgung in Halver scheint also somit auf Dauer extrem gefährdet. Auch aus dieser drohenden Notsituation heraus entstand die Idee ein Medizinisches Versorgungs-Zentrum (MVZ) in Halver zu errichten. Auch die Halveraner Hausärzte würden ein MVZ in jedem Fall begrüßen.

 

Ein gemeinsames MVZ mit Kierspe? – Nein danke!

 

Auch andere Städte und Gemeinden haben das gleiche oder ein ganz ähnliches Problem. Dazu gehört beispielsweise Halvers Nachbarstadt Kierspe. Deshalb wurde auch schon darüber nachgedacht, ein MVZ eventuell in Zusammenarbeit zwischen Halver und Kierspe zu errichten. Von Seiten der Stadt Kierspe hieß es auch schon, dass es nicht nur aus Halver diesbezüglich ein Interessenbekunden an einer Zusammenarbeit bestünde, sondern auch aus Plettenberg. Ein gemeinsames MVZ ist jedoch keine gute Lösung, da es bei der Verwirklichung mindestens die Bürger einer der beiden Städte (im Fall, dass es mit Plettenberg drei wären auch die Bürger von mindestens zwei der drei Städte) benachteiligt. Diese müssten dann immer in eine Nachbarstadt fahren, was dann doch wohl den Sinn eines solchen MVZ vollkommen verfehlen würde. Diese Meinung vertrat Axel Ertelt bereits zu einer entsprechenden Umfrage der SPD Halver im Zusammenhang mit den „Roten Briefkästen“.


Bei einer Tagung Anfang Juni 2020 in Halver war auch Ulrich Schulte, der Bürgermeister von Plettenberg, zugegen. Bei den Überlegungen ging es wieder einmal um ein interkommunales Gesundheitszentrum. Das war zuerst aus Sicht der Stadt Halver nur mit Kierspe angedacht. Nun schien auch Plettenberg nicht abgeneigt zu sein sich dabei zu beteiligen. Das wäre jedoch aus Sicht der Halveraner Bürger ein absolutes No-Go, es sei denn das MVZ würde in Halver gebaut. Doch dann hätten die Bürger Plettenbergs herzlich wenig davon. Abgesehen davon, dass bei einem multikommunalen MVZ auch die anderen Kommunen mitreden und mitbestimmen wollen. Halver müsste dann sicherlich den einen oder anderen Kompromiss zugestehen, was doch dann zum Nachteil der Halveraner geschehen würde.

 

Georg Würth und Peter Christian Schröder von der FWG in Kierspe argumentierten ähnlich, dass Kierspe kein MVZ in Halver benötige. Ebenso benötigt Halver selbstverständlich auch kein MVZ in Kierspe. Ein MVZ ist nur dann sinnvoll, wenn es für die Bürger einer Stadt auch in der Stadt, in ihrer Stadt, ist. Wenn man bei Bedarf einer speziellen ärztlichen Dienstleistung in eine andere Stadt muss, weil es in der eigenen (zum Beispiel Halver) keinen Orthopäden oder Kinderarzt gibt, dann brauchen wir kein MVZ. Dann kann alles so bleiben wie es ist. Für ein MVZ in einer anderen Stadt wollen wir nicht investieren. Wir, die Bürger Halvers, wollen das MVZ auch hier, in Halver haben. Und jetzt sollte auch niemand ein MVZ mit einem Ärztehaus verwechseln. In einem Ärztehaus gibt es mehrere niedergelassene Ärzte, während ein gut durchdachtes und umgesetztes MVZ ganz andere Möglichkeiten bietet oder zumindest bieten kann.

 

Die ersten Ideenansätze und Überlegungen

 

Bürgermeister Michael Brosch sagte bereits im Juli 2019, dass man die Idee eines Medizinischen Versorgungs-Zentrums im Rahmen der Regionale 2025 eingereicht habe. Auch die Halveraner Ärzteschaft sieht die Probleme der zukünftigen ärztlichen Versorgung genauso. Damals konnte sich Bürgermeister Michael Brosch noch ein MVZ vorstellen das „die die örtlichen Besonderheiten ganz gut abdecken kann. Es könnte den südlichen oder den ganzen Märkischen Kreis abdecken.“ Auch eine Kooperation mit einem Krankenhaus fand er überlegenswert. Eine Zusammenarbeit mit einem Pflegedienst und einem Sanitätshaus wurde ebenso angesprochen. Das waren bereits gute Lösungsansätze, die bereits über ein einfaches MVZ hinausgehen. Aber so etwas wäre nicht nur der Idealfall, sondern auch ein absolutes Muss, will man doch die Stadtentwicklung weiter betreiben und Halver attraktiver gestalten.

 

Auch Anfang 2020 war man über die ersten Überlegungen und Wunschvorstellungen kaum hinaus. Immer noch ging es in erster Linie um die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung durch Ärztenachwuchs in den bestehenden Praxen, die wegen kommenden Alters sonst geschlossen würden. Doch dies ist nicht (vorrangig) die Aufgabe eines MVZ. Eine optimale Lösung wurde immer wieder von den Fördermöglichkeiten im Rahmen der Regionale 2025 abhängig gemacht. Für Bürgermeister Michael Brosch ist es auch vorstellbar, dass die Stadt Halver gemeinsam mit Ärzten und anderen Akteuren des Gesundheitssektors die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Modell einer Genossenschaft oder auch einer Anstalt öffentlichen Rechts schafft. Zunächst aber müssen die Fragen nach der Rechts- und Organisationsform aber auch nach der Wirtschaftlichkeit geklärt werden. Auch die Fragen zum Zulassungsantrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung, der Genehmigung durch die Kommunalaufsicht und die Einbindung Dritter sowie eine Haftungsbegrenzung müssen abgecheckt werden. Ein genossenschaftliches Trägermodell ist erst seit dem Jahr 2015 rechtlich möglich. Es erlaubt die Einbindung von Gebietskörperschaften, Kliniken, Vertragsärzten und anderen. Als erste kommunale Einrichtung dieser Art wurde ein MVZ in Neuenrade gegründet das dort aber als Anstalt öffentlichen Rechts als eigenbetriebsähnliche Einrichtung betrieben wird.

 

Der Idealfall eines MVZ wäre nach dem Vorbild

des Gesundheitscampus Sauerland in Balve

 

Diplom Kaufmann Ingo Jakschies vom Büro gesunddenken.de, welches sich mit Projektentwicklungen im Gesundwesen beschäftigt hatte unter anderem am 11. Mai 2020 bei der Tagung des Hauptausschusses im Kulturbahnhof die Fragen zur Ertrags- und Kostenseite bzw. der Wirtschaftlichkeit eines MVZ erläutert. So rechnete Jakschies vor, dass ein finanzielles Plus erst dann entsteht, wenn es mindestens 3,5 Arztsitze im MVZ gibt und man pro Arzt von einer Patientenzahl von 1.200 ausgeht. Von Fachärzten mit speziellen Geräten rät der Diplom Kaufmann ab, da jedes MVZ sonst in den roten Zahlen wäre. Dazu wäre sicherlich die Frage, was für Fachärzte mit welchen Geräten hier gemeint sind, was aus den Ausführungen nicht hervorging. Ein Orthopäde ohne Röntgenapparatur jedoch wäre sicher kaum besser als keiner. Noch steht immer alles in der Schwebe und Dr. Sabine Wallmann von der UWG meinte „Das ist mir alles zu wolkig“. Zudem befürchtete sie, dass ein profitables MVZ nicht gleichzeitig auch gut für Patienten ist. Ingo Jakschies meinte richtigerweise auch: „Nur Ärzte zu betrachten ist zu kurz gedacht und man muss auch den Komplex Pflege und Therapie mit aufnehmen.“

 

Insgesamt betreut Ingo Jakschies acht MVZ und ist unter anderem auch der Geschäftsführer vom Gesundheitscampus Sauerland in Balve. Nachdem das St.-Marien-Hospital in Balve am 15. Mai 2012 geschlossen wurde, ist aus dem ehemaligen Krankenhaus in kurzer Zeit der Gesundheitscampus Sauerland entstanden. In der 1. Etage des Campus befindet sich das MVZ St. Damian und ein Nieren- und Diabetes-Zentrum. Anfänglich gab es fünf Mitarbeiterinnen für zwei Ärzte. Die Internisten Dr. Jürgen Schmitz und Dr. Hans Christoph Hautkappe waren bei der Gründung die ersten, die die 1. Etage des Campus bezogen. Außerdem befindet sich in der 1. Etage heute auch eine Ergotherapie.


Im Erdgeschoss befindet sich die Orthopädie im Gesundheitscampus, ein Sanitätshaus, ein Kneipp Verein mit einer Gussabteilung sowie als Treffpunkt ein Demenz-Café. In den Außenbereichen gibt es eine Krankengymnastik, eine Tagespflege und einen mobilen Pflegedienst. In der 2. Etage gibt es eine Naturheilpraxis und die Wohngruppe Intensivpflege St. Marien. Letztere wird betrieben durch den Pflegedienst Intensiv Care Home Hemer GmbH. In der 3. Etage befindet sich eine Wohngruppe Senior Care für Demenzkranke. In der 4. Etage befinden sich der Gymnastikraum des Kneipp Vereins, Die COPD Selbsthilfegruppe, ein Reha Sport Verein, ein Veranstaltungsraum und schlussendlich die Büros der Geschäftsführung.

 

Was ein MVZ in und für Halver zwingend braucht

 

Heute (September 2020), in Zeiten des Corona-Virus sind die Überlegungen und Gedanken, ein MVZ zu errichten aktueller denn je. Trotzdem sollte man nichts überstürzen und sorgfältig planen und abwägen. Der Kostenfaktor sollte zwar im Auge behalten werden, aber letzten Endes nicht ausschlaggebend für die Planung sein. Die Wünsche und die Bedürfnisse der Bürger müssen maßgebend mit einbezogen und berücksichtigt werden, denn das MVZ soll ja schließlich ihnen zu Gute kommen.


Was Fachärzte anbelangt, so fehlt in Halver dringend ein Orthopäde und ein Kinderarzt. Dies ist nicht nur auch Bürgermeister Michael Brosch bewusst. Ein Orthopäde benötigt zwingend auch eine Röntgenapparatur, die dann auch von der Ärztegemeinschaft im MVZ mitbenutzt werden könnte. Auch könnten dann gegebenenfalls andere, in Halver ansässige und niedergelassene Ärzte zum Röntgen dorthin überweisen. Dies wäre dann kostenbewusst organisiert. Der Verband der Mediziner meint dazu, dass für Menschen in Halver, die auf eine orthopädische Versorgung angewiesen sind, die derzeitigen Wege in die Nachbarstätte zu weit sind. Als Kinderärztin hätte auch Regina Tan aus Kierspe Interesse an einer Kooperation mit anderen Ärzten, auch im Rahmen eines MVZ. 

 

Weitere Ärzte und Therapeuten aus anderen Fachbereichen wie beispielsweise Logopäden, Frauenärzte, Urologen, Neurologen usw. könnten eventuell auch „nur“ tageweise im MVZ vertreten sein. Alle Ärzte könnten ihr eigenes Sprech- und Behandlungszimmer haben. Daneben gibt es Gemeinschaftsräume wie zum Beispiel einen Röntgenraum usw. Ein gemeinsames Foyer, in dem die Sprechstundenhilfen aller gerade diensthabenden Ärzte vertreten sind hilft Kosten sparen und ein gemeinsamer Wartebereich ersetzt mehrere Wartezimmer der einzelnen Ärzte. Das MVZ könnte in einer Etage untergebracht sein.


Darüber hinaus könnte in der 1. oder 2. Etage über dem Erdgeschoss mit dem MVZ eine Einrichtung für Intensiv- und Beatmungspflege eingerichtet werden. Diese müsste von einem Pflegedienst betrieben werden, der vor allem auch über speziell ausgebildete und examinierte Krankenschwestern und Krankenpfleger verfügt. Der entsprechende Pflegedienst könnte dann ebenfalls im Gesamtkomplex dieses Gesundheitszentrums seine Büroräume etc. haben, gegebenenfalls zusammen mit weiteren Einrichtungen (Sanitätshaus usw.) in einer weiteren Etage. Eine solche Pflegeeinrichtung für Intensiv- und Beatmungspflege fehlt in Halver und wird dringend gebraucht. Die nächsten Einrichtungen sind, meist in kleinerem Stil, in Kierspe, Hagen und Ennepetal. Diese alle sind aber in der Regel (fast) immer ausgebucht. So musste Axel Ertelt für seine Frau Thawee beispielsweise 2019 in den gut 40 Kilometer entfernten Gesundheitscampus Sauerland in Balve ausweichen, wo mit viel Glück gerade ein Platz freigeworden war. Die bestehenden Einrichtungen für Alten- und Krankenpflege in Halver (Bethanien und die Hausgemeinschaften Waldfrieden) sind auf diese speziellen Aufgaben nicht eingerichtet und haben auch kein (oder zumindest kein ausreichendes) geschultes Personal dafür. Auch anhand ähnlicher Fälle wissen wir hier - im Gegensatz zu manchen Politikern und Planern - worauf es ankommt und wovon wir hier „reden“.

 

Für die Einrichtung einer solchen Intensiv- und Beatmungspflege wären die Ärzte im integrierten MVZ von einem enormen Vorteil. Ideal wäre auch, wenn im MVZ ein (oder zwei) Hausärzte/Internisten zumindest an ein bis zwei Tagen in der Woche zugegen wären. Ob Hausarzt oder Facharzt – bei einem tageweisen Einsatz könnten dies sicherlich Gemeinschaftspraxen sehr gut realisieren, in denen zwei oder mehr Ärzte oder Ärztinnen tätig sind.

 

Der Kostenfaktor darf kein Hindernis sein

 

Ein solches Projekt, vor allem wenn es neu gebaut wird (bzw. werden muss), kostet viel Geld, das schnell eine Millionen Euro oder mehr (?) verschlingen kann. Aber unsere eigene Gesundheit und die unserer Mitbürger sollte einen solchen Einsatz wert sein. Dass das ganze Projekt natürlich in jeder Beziehung behindertengerecht und barrierefrei sein muss, steht außer jeder Frage.

 

Zur Kostendeckung sollte man die Möglichkeit einer Förderung in irgendeiner Form prüfen und vielleicht auch einen Investor suchen, der das Projekt (Grundstück und Gebäude) finanziert und die Räumlichkeiten vermietet. Die Intensiv- und Beatmungspflegestation kann in Form von einer (oder vielleicht auch zwei, da die Anzahl begrenzt ist) Wohngruppengemeinschaft sein, wo die Patienten als Mieter im eigenen, gemieteten Zimmer wohnen. Die Gemeinschaftsräume würden entsprechend im Mietpreis auf die einzelnen Zimmer umgerechnet. So ist dies beispielsweise auch im Gesundheitscampus Sauerland der Fall. Die Pflegekassen zahlen ihren Versicherten in solchen Fällen einen monatlichen Wohngruppen-Zuschuss von derzeit 214,00 Euro. Ansonsten sind hier auch die Sozialämter in der Pflicht. Die Räume für die Ärzte werden ebenfalls vermietet und die Gemeinschaftsräume wie Foyer, Wartebereich, gemeinschaftlicher Röntgenraum oder ähnliches können ebenfalls in den Mietpreis der Praxisräume eingerechnet werden. Im Grunde wäre das Projekt dann nichts anderes als wie bei einem Mehrfamilien-Mietshaus. Ein Investor (Bauherr) investiert und erhält dann regelmäßig seine Miete. Ein Problem mit sogenannten „Mietnomaden“ (was heutzutage immer öfters aufkommt) wäre ausgeschlossen, was von Vorteil für einen Investor wäre.

 

Bei der Planung muss vor allem auch ein entsprechend großer Parkplatz mit einkalkuliert werden, der natürlich für Mitarbeiter, Patienten und Besucher kostenfrei sein sollte – im Gegensatz zu einigen Krankenhäusern, die inzwischen auf ihren Parkplätzen eine Parkgebühr verlangen. Und der Standort sollte so nah wie möglich am Stadtzentrum von Halver liegen und verkehrstechnisch gut erreichbar sein. Dies gilt natürlich auch für den ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr), zum Beispiel in Form einer Haltestelle von Busverbindungen (die dort einzurichten wäre). Und auch der Bürgerbus sollte dann entsprechend am MVZ einen Haltepunkt in seinem Fahrplan einplanen.

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

 

Görlitzer, Bettina: „Medizinisches Versorgungszentrum in Kierspe: Nur die Trägerschaft ist unklar“www.come-on.de, 31.08.2020

Hesse, Florian: „MVZ als Chance für Fachärzte“www.come-on.de, 20.12.2019

Hesse, Florian: „MVZ in Halver? Idee nimmt Fahrt auf“www.come-on.de, 10.03.2020

Kolossa, Julius: „Ärztin Dr. Andrea Dubiel neu im Ärzteteam im Gesundheitscampus“www.come-on.de, 05.02.2016

Lorencic, Sarah: „Offene Fragen bleiben zurück - MVZ wichtiger denn je“www.come-on.de, 18.03.2020

Lorencic, Sarah: „Es bleibt ‚wolkig‘ in Sachen MVZ“; Allgemeiner Anzeiger, 13.05.2020

Lorencic, Sarah: „Ärzteversorgung durch MVZ: Es gibt mehr Klarheit“www.come-on.de, 08.06.2020

Opfermann, Johannes: „Medizinisches Versorgungszentrum - was ist möglich?“www.come-on.de, 23.07.2019

Ruthmann, Detlef: „Forderung: Medizinisches Versorgungs-Zentrum statt Ärztehaus“www.come-on.de, 05.07.2020

 


 
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 28.09.2020 19:20:38 Uhr.
  

 

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